Neue Zeiten, neue Herausforderungen

Was zunächst nur schwer realisierbar erschien, wurde angepackt, zeitnah umgesetzt und das mit vereinten Kräften. Ziel war und ist es, dass kein Mensch, der sich uns anvertraut oder uns anvertraut wird, während der Pandemie benachteiligt wird.

Der Arbeitsalltag verlagerte sich in die visuelle digitale Welt, alternative Konzepte und Lernformen mussten entwickelt werden. Das war und ist immer noch eine große Herausforderung, besonders in unseren Schulen und im Berufsbildungswerk Leipzig. „Niemand darf verloren gehen“ steht dabei als oberste Maxime.

Es galt, neue Kanäle zu finden, um mit den jungen Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen in Kontakt zu bleiben, sie weiterhin zu unterrichten und aus- bzw. weiterzubilden.

Seit Beginn der Pandemie im März 2020 bieten auch die Integrationsberater*innen allen Teilnehmenden im Berufsbildungswerk, genauso wie die Integrationsberater*innen im Kompetenzzentrum für Vermittlung und Integration ihren Klient*innen, die Beratung auf dem digitalen Weg an.

Das Kompetenzzentrum der BBW-Leipzig-Gruppe

Der Kernprozess unseres Kompetenzzentrums ist eine individuelle,  bewerber*innenorientierte Arbeit in Form von Begleitung, Befähigung, Unterstützung und Vermittlung von Jugendlichen und Erwachsenen.

Die Herausforderungen bei der Umstellung auf die digitalen Medien waren zu Beginn groß. Inzwischen läuft die Beratung per Videokonferenz in einem geschützten Raum routiniert.

„Der digitale Kommunikationsweg erforderte zunächst ein Umdenken im Kontakt mit unseren Teilnehmenden. Vor allem, da der persönliche Kontakt in unserem Beruf von großer Tragweite ist und unsere Arbeit ausmacht. Wir passten unsere bestehenden Konzepte auf die alternative bzw. digitale Durchführungsform an, die von dem Zertifizier genehmigt wurden“, beschreibt Integrationsberaterin Thérèse Zierold. 

Sichere Onlinemeeting-Dienste und Messenger

Generell finden derzeit alle Beratungsinhalte bei JOBLOTSE Leipzig und JOBLOTSE Berlin sowie bei SIBI – Servicestelle für individuelle betriebliche Inklusion digital statt. Vom Erstgespräch über das Profiling, die Eignungsdiagnostik, das Coaching, die Besprechungen der Aufbereitung der Bewerbungsunterlagen bis hin zur Vorbereitung auf den ersten Arbeitsmarkt wird digital gearbeitet. Dafür werden die geprüften, sicheren und DSGVO-konforme Dienste „Jitsi Meet“ oder auch der Messenger-Dienst WIRE genutzt.  

Die Teilnehmenden nehmen das Angebot sehr gerne an und kommen besser als zunächst befürchtet mit den neuen Kommunikationskanälen zurecht.

Oft stehen in den Gesprächen mit den Teilnehmenden aber auch die momentanen alltäglichen Herausforderungen im Vordergrund: Themen der beruflichen Zukunft und wie es weitergeht, Sorgen und Ängste.

Aufgrund der veränderten Form brauche es neue Impulse, erklärt Ruben Bais, Integrationsberater im Kompetenzzentrum für Vermittlung und Integration: „Ich beginne stets mit einem täglichen 15-MinutenStart-up. Hierdurch versuche ich einen sicheren Raum zu erzeugen, indem die Teilnehmer*innen von ihren täglichen Sorgen und Herausforderungen berichten können und auch das Gefühl haben, wahrgenommen zu werden. Das scheint mir wichtig, denn die Pandemie sorgt bei vielen privat - z.B. verlassen einige nicht mehr ihre Wohnung oder haben schwer erkrankte Verwandte etc. - als auch beruflich (z.B. keine Praktikumszusagen) für Unsicherheiten. Insgesamt zeigt sich, dass eine Art sozialpädagogische Begleitung während der gesamten Termine an Bedeutung gewinnt.“

Ruben Bais erlebte auch Momente, mit denen er vorher nicht gerechnet hatte: „Einmal zeigte sich sogar, dass ein Teilnehmer bei der Simulation eines Vorstellungsgespräches digital mehr aus sich herauskam als vorher in einer persönlichen Beratung. Ein weiterer positiver Effekt zeigt sich in der neugeschaffenen Möglichkeit, parallel an computergesteuerten Prozessen zu arbeiten.“

Integrationsberaterin Thérèse Zierold hat ähnliche Erfahrungen gesammelt: „Für einige Teilnehmende ist es auch von Vorteil, von zu Hause aus zu arbeiten. Hier sparen v.a. alleinerziehende Mütter Zeit ein.“

Persönlichkeitsentwicklung, Abbau der Vermittlungshemmnisse, Vorbereitung der Integration auf den 1. Arbeitsmarkt und überbetriebliche Erprobungen können trotz Pandemie stattfinden. So erreichen die Mitarbeitenden des Kompetenzzentrums zum Glück weiterhin Anfragen von Unternehmen, ob die Teilnehmenden an den vakanten Stellen interessiert sind.

Es gibt aber auch eine andere Seite der Medaille. Nicht alle Klient*innen sind technisch ausreichend ausgestattet. Wenn zum Beispiel kein Drucker vorhanden ist, bedeutet das für die Integrationsberater*innen eine frühzeitige Planung und Zusendung der Materialien per Post. Auch bei einer schlechten Internetverbindung sind Geduld und Flexibilität gefordert.

Auch Ruben Bais räumt ein, dass die digitale Beratung natürlich auch mal an ihre Grenzen stieße, „wenn ein sensitives Gespür und eine ganzheitliche Wahrnehmung für den Umgang mit den Teilnehmenden erforderlich sind. Es ist deutlich herausfordernder, das Befinden der Teilnehmenden zu erkennen. Auch wenn es von mir wahrgenommen wird, so ist es ebenfalls schwieriger, angemessen darauf einzugehen. Bei mir äußert sich das in der abgeschwächten digitalen Intuition, die im realen Setting eigentlich vorhanden ist.“

Barrierefreie Kommunikation in digitaler Form

Die digitale Beratung ist je nach Beeinträchtigung der Teilnehmenden ebenfalls eine Herausforderung, da manche nicht gerne telefonieren oder auf die Mimik und Gestik angewiesen sind.

Die Kommunikation mit gehörlosen Menschen findet ebenso via Videokonferenz in Deutscher Gebärdensprache statt. Hier ist eine stabile Internetverbindung besonders wichtig, damit Mundbild und Ton nicht zeitversetzt erscheinen und die Gebärden sauber erkennbar sind.

Die Zeit der Pandemie zeigt auch deutlich, wie wichtig es ist, dass digitale Techniken und Kanäle nicht zu Barrieren für Teilhabe werden dürfen und auch diesbezüglich Kompetenzen gefördert werden müssen. Virtuelle Beratung funktioniert in Ausnahmesituationen und kann sicher auch künftig begleitend für die Klient*innen angeboten werden, aber kann auf Dauer nicht den direkten Kontakt zu den Klient*innen ersetzen.

Kontakt zu uns

Ira Kummrow

Ira Kummrow

Abteilungsleiterin Kompetenzzentrum für Vermittlung und Integration

Tel. 0341 41 37-2001
Mobil: 0151 422 523 97
kummrow.ira@bbw-leipzig.de

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